Die Schlehe: Geschichte, Mythologie, Heilwirkung und Rezepte

Die Schlehe gehört zur Familie der Rosengewächse und ist ein anspruchsloses Gehölz, das bevorzugt an sonnigen Standorten bis auf einer Höhe von 1000m NHN wächst. Ihre anderen Namen sind Schwarzdorn, Schlehdorn und Schwarzbeere. Sie bietet eine wichtige Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Insekten und Tiere. Tatsächlich gehört sie durch ihren dichten Wuchs, die Bedornung und ihr häufiges Vorkommen zu den wichtigsten Vogelschutzgehölzen. Aber auch Haselmäuse, Igel, Schmetterlinge, Bienen und Wanzen nutzen die Schlehe als Futterquelle und sicheren Rückszugsort. Der Neuntöter verwendet die Dornen der Schlehe als Speisekammer, indem er seine erbeuteten Mäuse und Insekten aufspießt und damit den Verzehr erleichtert.


Geschichte zur Schlehe

Auch für den Menschen spielte sie vermutlich schon immer eine wichtige Rolle. Fest steht, dass bei verschiedenen archäologischen Ausgrabungen in frühzeitlichen Siedlungen auch Schlehenkerne in häuslicher Umgebung entdeckt wurden. Ob sie tatsächlich als Nahrungsmittel dienten oder ob sie für unsere Vorfahren eher mythologische oder religiöse Bedeutung hatten, bleibt ungewiss. Beides ist definitiv vorstellbar.

Mythologie der Schlehe

Die Schlehe war schon immer eine magische Pflanze, um die sich viele Sagen und Mythen rankten.

Auch in der irischen Mythologie spielt sie eine bedeutende Rolle. So wird die Schlehe dort als die „alte dunkle Frau der Wälder“ oder „Mutter der Wälder“ bezeichnet. In der keltischen Folklore wird Cailleach (Schottisch/Gälisch „alte Frau“) oft mit Schlehenzweigen als Göttin des Winters dargestellt.


Durch ihre Widersprüchlichkeit umgibt die Schlehe etwas Geheimnisvolles. Im Herbst und Winter strahlt sie durch ihre kargen, dornigen Verzweigungen und ihre dunkle Rinde fast etwas Unheimliches aus. Wohingegen sie sich im Frühling in ein weißes, zartes Blumengewand hüllt.

Wahrscheinlich war auch das knorrige und dornige Geäst der Grund, wieso man annahm, dass sie vor Hexen, Blitzen und allgemein vor dunklen Mächten schützen sollte. Deshalb wurde sie – wie der Weissdorn auch – oft in der Nähe von Haus und Hof gepflanzt, um böse Geister abzuwehren. Bauern versuchten ihr Vieh in der Walpurgisnacht vor Verhexung zu schützen, indem sie Schlehenzweige an die Stalltür nagelten. Sie selbst suchten Schutz, indem sie Ketten mit durchlöcherten Schlehenkernen als Talisman trugen.

In Irland herrscht hingegen der Glaube, dass Mondfeen in den Schlehensträuchern residieren, wo sie über die Pflanzen wachen. Diese Feen verlassen ihre Heimat nur bei Vollmond, um der Mondgöttin ihre Ehrerbietung zu erweisen. Man glaubte wer sich an der Pflanze vergreife, dem wäre die Rache der Feen sicher.


Dort wo Schlehen wuchsen wurden außerdem Portale zur Anderswelt vermutet. Es hieß wer unter ihren Zweigen schlief, konnte im Traum die Grenze zwischen den Reichen passieren und in die Welt der Geister und Feen eintauchen. Sie wurde außerdem als Verkörperung des Übergangs zwischen Gut und Böse angesehen.

Grund für diesen Dualismus ist ihr Erscheinungsbild zu den verschiedenen Jahreszeiten. Im Winter zeigt sich die Schlehe karg und mit schwarzer Rinde. Deshalb wurde die Schlehe in den Nordlanden im Winter als Symbol des Bösen und im Frühling als Erneuerung des Lebens betrachtet. Auch Ihr heutiger englischer Name „strife“ (Hader oder Streit) deutet noch auf ihre ursprünglich zwiespältige Betrachtungsweise hin. Die schwarzmagischen Fähigkeiten, die ihr zugesprochen wurden äußerten sich in allerlei symbolisch- und rituellen Gegenständen, die aus ihrem Holz geschnitzt wurden. Sogar in Harry Potter tauchte die Schlehe auf, aus deren Holz Zauberstäbe hergestellt wurden.

Im hiesigen Volksglauben wusste man, „dass eine reichliche Schlehenblüte zu vielen Schwangeren führe und uneheliche Kinder hervorbringe.” Wahrscheinlich, weil sich die Liebenden häufig im weißen Blütenmeer vergnügten. Aber das ist nur meine eigene Vermutung 😄.

Im Mittelalter wurden die Schlehenfrüchte als Abtreibungsmittel eingesetzt. Ich habe allerdings keine Quellen gefunden, die eine solche Wirkung bestätigen. Vermutlich wurde ihr diese Wirkung eher aus Aberglauben heraus angedichtet. Wenn eine Frau Schlehen aß, sollte sie deshalb beichten. Eine Überlieferung besagt z.B., dass im 19. Jahrhundert eine Bayerin gebeichtet haben soll, dass sie drei Schlehenbeeren gegessen hat, aber auch insgesamt schon acht Kinder vom Pfarrer empfangen habe.

Eine andere Legende besagt, dass der Schlehe von anderen Sträuchern vorgeworfen wurde das Holz für die Dornenkrone Jesu geliefert zu haben. Um ihre Unschuld zu beweisen habe Gott sie über Nacht mit einem Meer aus weißen Blüten gesegnet.
Wer seine Warzen loswerden wollte, glaubte dies zu erreichen, indem er eine Schnecke auf eine Schlehendorne spießte. Mit dem Aushauchen des Lebens sollte auch die Warze verschwinden. Außerdem glaubte man daran, dass die ersten drei Blüten der Schlehe im Frühling ein Gesundheitsversprechen seien.

Heilwirkung der Schlehe

Neben all den Sagen und Mythen, steckt jedoch auch recht viel bewiesene Kraft in der Pflanze.

Heilwirkung der Beeren

Die kleinen blauschwarzen Früchte sind die Wildform von Pflaumen und Mirabellen und enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Anthocyane, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Flavonglykoside, Pektin, Rutin und Vitamin C. Sie wirken adstringierend und können bei Krämpfen, Blutungen, Fieber, Erkältungen, Entzündungen und rheumatischen Leiden helfen. Sie sollten jedoch erhitzt werden, da große Mengen roh abführend wirken können.


Heilwirkung der Blüten

Die Blüten wirken blutreinigend, harntreibend und können bei Hautkrankheiten und rheumatischen Beschwerden Linderung verschaffen.

Verwendungsmöglichkeiten der Schlehe

Die Beeren lassen sich zu Likören, Säften, Gelees und Marmeladen verarbeiten. Ich liebe den Schlehenpunsch mit Gewürzen ganz besonders in der Winterzeit, da er sehr lecker schmeckt und kräftigend bei Erkältungen wirkt.
Die Blüten lassen sich getrocknet als Teeaufguss zubereiten oder als Gurgelwasser für den Rachen, gegen kleine Entzündungen des Zahnfleisches. Frisch kann man sie in Gebäck verwenden oder im Salat. Außerdem kannst Du auch ein Blütenöl herstellen, welches hautstraffend und stärkend wirkt. Zum Beispiel auch bei der Nachbehandlung von Schwangerschaftsstreifen. Das Öl wirkt sehr wohltuend in einem Fuß- oder Vollbad.

Salatrezept

Die Blüten der Schlehe mit ihrem mandelartigen, süßlichen Geruch eignen sich in einem fruchtig, süßlichen Frühlingssalat. Alle Zutaten in einer Schüssel vermengen und genießen.

Zutaten:

  • 3 Handvoll weiße Schlehenblüten
  • Eine Orange in Stücke geschnitten
  • 1 EL Honig
  • Einige gehackte Mandeln
  • Etwas Zitronensaft

Teile gerne Deine eigenen Empfindungen zu meinem Beitrag oder Deinen Erlebnissen mit der Schlehe!

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