Bärlauch: Mystischer Frühlingsbote mit vielfältiger Kraft

Bärlauch sammeln

Der Bärlauch (Allium ursinum), auch bekannt als Waldknoblauch oder Ramsen, ist eine wildwachsende Pflanze, die im Frühling ihre zarten, grünen Blätter aus dem Waldboden schiebt. Umrankt von Mythen und Brauchtum, galt er in früheren Zeiten als heilige Pflanze.

Mythologie und Brauchtum

Pfahlbautenfunde deuten eindeutig daraufhin, dass der Bärlauch bereits zu germanischen Zeiten im Europa nördlich der Alpen verbreitet war. 

In der germanischen Mythologie war der Bärlauch dem Bären, einem starken und kraftvollen Tier, geweiht. Man glaubte, dass er Männlichkeit und Stärke verleihe und den Menschen vor bösen Geistern schütze.

Ab dem 9. Jahrhundert begann die Pflanze langsam in Vergessenheit zu geraten, da sein Geruch als unrein betrachtet wurde. Die Wirkung, die er auf Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit hatte, führten dazu, dass man ihn mit dem Teufel assoziierte und deshalb mied.

Im Mittelalter wurde der Bärlauch hingegen als Heilpflanze geschätzt und fand Anwendung bei verschiedenen Leiden.Dem Bärlauch wurden schützende Eigenschaften gegen Unheil zugeschrieben. Karl der Große hob seine Bedeutung hervor, indem er ihn in der Capitulare de villis, einer Verordnung über die zu kultivierenden Pflanzen, erwähnte. Pedanios Dioskurides, ein antiker Gelehrter, beschrieb Bärlauch in seinem Werk De materia medica als entgiftende Pflanze innerhalb der Zwiebelfamilie, was seine therapeutischen Anwendungen unterstreicht

In Thüringen war bis ins 20. Jahrhundert das Ramschelfest bekannt, bei dem am ersten Sonntag vor Walpurgis Bärlauch gesammelt und als Schutz gegen böse Geister und Hexen verwendet wurde.

In der Volksmedizin spielte der Bärlauch ebenfalls eine wichtige Rolle. Man glaubte, dass er gegen Frühjahrsmüdigkeit, Erkältungen und Verdauungsbeschwerden hilft.

Bärlauch und die Verbindung zum Bären

Die Verbindung des Bärlauchs mit dem Bären geht auf die Beobachtung zurück, dass Bären im Frühling nach dem Winterschlaf als erstes Bärlauch fressen. Man glaubte, dass er den Bären nach dem Winter ihre Kraft zurückgibt.

Der Bär war in vielen Kulturen ein heiliges Tier. Er symbolisierte Kraft, Mut, Stärke und Wildheit.

Im Christentum wurde der Bär leider als Teufelssymbol dämonisiert.

Allgemein spielte der Bär im Brauchtum eine wichtige Rolle in der Winteraustreibung und Frühlingserweckung.

Bärlauch und die Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ist ein heidnisches Fest, das den Frühling und die Fruchtbarkeit feiert. In dieser Nacht, so der Volksglaube, waren die Hexen besonders aktiv.

Der Bärlauch, der um diese Zeit herum blüht, wurde als Schutzpflanze gegen Hexen verwendet. Man glaubte, dass der starke Geruch die Hexen vertreiben konnte. Einen ähnlichen Gedanken kennt man vom Knoblauch, der die Vampire fernhalten soll.

Bärlauch und das Erwachen des Frühlings

Die Pflanze galt als Symbol des Frühlings und der Erneuerung.

Seine frischen, grünen Blätter symbolisierten die wiedererwachende Natur nach dem Winter. Der Bärlauch mit seiner intensiven Wirkung auf das Immunsystem und die Stärkung des Körpers spiegelt die wiederkehrende Kraft der Natur sehr schön wider.

Bärlauch sammeln

Er kann im Frühling in feuchten Wäldern und an Bachläufen gesammelt werden. Er wächst gerne in Buchenwäldern uns Senkungen an denen sich das Wasser sammelt. Am Geruch kann ihn schon von weitem riechen.

Wichtig: Beim Sammeln sollte man aufpassen, dass man ihn nicht mit dem giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen verwechselt.

Verwendung von Bärlauch

Die Verwendung dieser schmackhaften und heilenden Pflanze ist vielfältig.

In der Küche

  • Roh: in Salaten, Smoothies, Pesto, als Bärlauchsalz
  • Gekocht: in Suppen, Quiches, Pasta
  • Aus den Blüten: Sirup
  • Knospen: In Essig eingelegt

In der Heilkunde

  • Traditionell: bei Erkältungen, Grippe, Verdauungsbeschwerden, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Frühjahrsmüdigkeit
  • Modern: als Antibiotikum, Antivirale Mittel, Entzündungshemmer

Seine gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe und sein unverwechselbarer Geschmack machen ihn zu einem wertvollen Begleiter im Frühling. Hat Dir mein Beitrag gefallen? Teile und Kommentiere ihn gerne!


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