Sie wächst überall, sticht, wird verflucht und weggerissen. Dabei ist die Brennnessel (Urtica dioica) eine der nährstoffreichsten, vielseitigsten und ökologisch wertvollsten Pflanzen unserer Breiten und das ist keine Übertreibung, sondern durch Forschung gedeckt.
Wer die Brennnessel nur als lästiges Unkraut kennt, lässt buchstäblich Gold auf dem Kompost verrotten.
Dieser Artikel räumt auf mit Halbwissen, erklärt die tatsächliche Biochemie dahinter, zeigt Dir, wie Du die gesamte Pflanze von Wurzel bis Samen nutzt und warum Du vielleicht aufhören solltest, sie aus dem Garten zu reißen. Im Folgenden findest Du den Inhalt dieses Artikels.
- Was steckt wirklich in der Brennnessel?
- Warum sie sticht und warum das sogar nützlich ist
- Mythologie & Geschichte
- Ökologische Bedeutung: Schmetterlinge, Insekten & Co.
- Wann & was ernten in den Jahreszeiten
- Heilwirkung: Was wirklich belegt ist
- Brennnesseltee richtig zubereiten & anwenden
- Brennnesselsamenpulver, das unterschätzte Superfood
- Brennnesseljauche, flüssiges Gold für den Garten
- Brennnessel für Haarwachstum
- Brennnessel in der Küche
1. Was steckt wirklich in der Brennnessel?
Bevor wir über die Wirkung reden, müssen wir über die Inhaltsstoffe reden. Denn die Brennnessel ist kein Allround-Wundermittel aus dem Esoterikregal, sie ist eine biochemisch außerordentlich komplexe Pflanze, deren verschiedene Teile komplett unterschiedliche Inhaltsstoffe und damit unterschiedliche Wirkungen haben.
Die Blätter und das Kraut enthalten:
- Flavonoide (Quercetin, Kaempferol, Rutin): Das sind sekundäre Pflanzenstoffe mit nachgewiesener antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung
- Chlorophyll in außerordentlich hoher Konzentration
- Kieselsäure: Relevant für Bindegewebe, Haare und Knochen
- Eisen und Vitamin C: Die Kombination ist entscheidend, denn pflanzliches Eisen wird durch Vitamin C erst richtig resorbiert
- Vitamin K: Wichtig für Blutgerinnung und Knochenaufbau
- Beta-Sitosterol: Ein Phytosterol, das später noch eine wichtige Rolle spielen wird
- Phenolcarbonsäuren wie Kaffeesäure und Chlorogensäure
Die Wurzel hat ein völlig eigenes Profil:
- Lectine, darunter das spezifische UDA (Urtica Dioica Agglutinin)
- Polysaccharide mit immunmodulatorischer Wirkung
- Scopoletin. was antientzündlich wirkt
- Sterole und Sitosterol-Glykoside, die direkt in den Hormonhaushalt eingreifen
Die Samen sind nochmals eine eigene Kategorie:
- Ecdysteroide, insbesondere β-Ecdyson, eine der höchsten natürlichen Konzentrationen überhaupt
- Ca. 25–30% Proteingehalt
- Essentielle Fettsäuren
- Tocopherole (Vitamin E)
Das bedeutet praktisch: Brennnesseltee aus Blättern, Brennnesselwurzelkapseln und Brennnesselsamenpulver sind drei verschiedene Anwendungen mit drei verschiedenen Wirkmechanismen. Wer das verwechselt, wundert sich am Ende, warum „die Brennnessel nicht wirkt“.
2. Warum die Brennnessel sticht und warum das sogar nützlich ist
Die feinen Brennhaare (Trichome) der Brennnessel sind im Grunde biologische Injektionsnadeln. Sie brechen beim Kontakt ab, dringen in die Haut ein und setzen ein Cocktail aus Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Ameisensäure frei.
Das klingt unangenehm? Ist es auch! Aber interessanterweise wurde genau dieser Mechanismus historisch therapeutisch genutzt.
Die sogenannte Urtikation, das bewusste Schlagen der Haut mit frischen Brennnesseln, ist eine der ältesten volksheilkundlichen Praktiken Europas. Bei Gelenkschmerzen, Lähmungen und Rheuma wurde sie jahrhundertelang eingesetzt. Klingt nach mittelalterlichem Aberglauben, hat aber einen plausiblen Mechanismus: Die lokale Histaminreaktion fördert die Durchblutung, und neuere Studien zeigen, dass die dabei freigesetzten Substanzen tatsächlich lokale Entzündungsreaktionen modulieren können.
Eine kleine Studie aus dem Jahr 2000 (Randall et al., Journal of the Royal Society of Medicine) zeigte, dass Urtikation bei Knieschmerzen die Schmerzintensität signifikant reduzierte. Bemerkenswert für eine Pflanze, die man normalerweise vermeidet oder?
3. Mythologie & Geschichte: Die Brennnessel durch die Jahrhunderte
Die Brennnessel ist keine neue Entdeckung. Sie begleitet den Menschen seit der Steinzeit.
Germanische Mythologie: Die Brennnessel war Thor, dem Donnergott, geweiht. Man warf Brennnesseln ins Feuer, um Blitzschutz zu erbitten. Sehr logisch, wenn man bedenkt, dass Brennnesseln bevorzugt an Orten mit stickstoffreichem Boden wachsen, also dort, wo Mensch und Tier lebten und ihre Spuren hinterließen. Sie war damit ein Zeichen menschlicher Siedlung, quasi ein biologischer Marker.
Mittelalter: Brennnesselfasern, ja, Fasern, wurden zur Textilherstellung genutzt. Die Pflanze liefert eine dem Leinen ähnliche Faser, die reißfest und langlebig ist. In Deutschland wurden während des Ersten Weltkriegs tatsächlich Militäruniformen u.a. aus Brennnesselfasern hergestellt, als Baumwolle knapp wurde. Funde belegen Brennnesselgewebe, das über 2000 Jahre alt ist.
Volksmedizin quer durch Europa: Ob in der keltischen, germanischen oder auch in slawischen Überlieferungen, die Brennnessel taucht immer wieder auf. Als Mittel gegen u.a. Blutarmut, Haarausfall, Wassersucht und Gelenkschmerzen. Vieles davon lässt sich heute biochemisch begründen, was zeigt, dass empirisches Wissen (also Erfahrungswissen) manchmal der Wissenschaft um Jahrhunderte voraus ist.
Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert) empfahl Brennnessel bei Verdauungsbeschwerden und als stärkendes Frühjahrskraut. Auch Paracelsus schätzte sie. Nach seiner Signaturenlehre zeigte die Pflanze durch ihr „beißendes“ Wesen ihre heilenden Eigenschaften bei entzündlichen Zuständen.
4. Ökologische Bedeutung: Warum die Brennnessel ins Gartenprogramm gehört
Hier wird es richtig interessant, weil dieser Aspekt fast nirgendwo erwähnt wird.
Die Brennnessel ist eine der wichtigsten Wirtspflanzen für Schmetterlinge in Mitteleuropa. Keine andere heimische Pflanze kann das in dieser Dichte bieten.
Folgende Schmetterlingsarten sind obligatorisch auf Brennnessel angewiesen, das heißt, ihre Raupen fressen ausschließlich oder primär daran:
- Admiral (Vanessa atalanta)
- Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
- Tagpfauenauge (Aglais io)
- C-Falter (Polygonia c-album)
- Landkärtchen (Araschnia levana)
- Distelfalter (teilweise)

Das bedeutet: Wer Brennnesseln im Garten hat, vor allem in einer sonnigen Ecke, etwas zurückgeschnitten, schafft direkt Lebensraum für einige der schönsten Schmetterlinge Mitteleuropas.
Darüber hinaus ist die Brennnessel:
- Nahrungsquelle für über 40 Insektenarten
- Lebensraum für Marienkäfer und deren Larven (Blattlauskontrolle!)
- Nektarquelle für diverse Wildbienen
- Wichtig für Florfliegenlarven, die als Blattlausräuber im Garten Gold wert sind
Praktischer Hinweis für den Garten: Eine kleine, kontrollierte Brennnesselecke von 1–2 m² in einer sonnigen, etwas feuchten Ecke reicht aus, um diese ökologische Funktion zu erfüllen. Kein wilder Dschungel nötig , aber ein bisschen Chaos ist erlaubt und gewollt.
5. Der Ernte-Kalender: Wann, was und wie sammeln?
Die Brennnessel ist eine Ganzjahrspflanze, aber je nach Jahreszeit erntest Du unterschiedliche Teile für unterschiedliche Zwecke.
März bis Mai: Junge Triebe & Blätter
Das ist die Hauptsaison für Küche und Tee. Die jungen Triebe (die obersten 4–6 Blattpaare) sind zart, nährstoffreich und schmecken am besten. Ältere Blätter entwickeln Cystolithen, kleine Kalziumcarbonat-Kristalle, die bei übermäßigem Konsum die Nieren reizen können.
Sammeltipps:
- Handschuhe tragen oder mutig mit zwei Fingern von unten greifen (die Brennhaare zeigen nach oben)
- Orte meiden: Straßenrand, Hundewiesen, gedüngte Felder
- Ideal: Waldränder, Bach- und Flussufer, eigener Garten
- Morgens nach dem Trocknen des Taus sammeln
- Nur sammeln, wenn die Fläche groß genug ist, nie mehr als ein Drittel abernten
Juni bis August: Zur Jauche & als Dünger für Gemüsepflanzen
Jetzt werden die Pflanzen zu groß und zu hart für die Küche, perfekt für Jauche, die im Garten verwendelt werden kann. Je mehr Blattmasse, desto besser. Auch Stängel können mit verwendet werden. Brennnesseljauche eignet sich hervorragend sowohl als Stärkungsmittel für Gemüsepflanzen, Bodenaktivator und sogar Schnelldünger. Dazu werde ich mal einen gesonderten Artikel schreiben.
August bis September: Samen
Die Samen reifen im Spätsommer. Erkennbar an den herabhängenden, leicht gelblich-grünen Rispen, die wie kleine Teller aussehen (nicht zu verwechseln mit den männlichen Samen, die wie Kügelchen aussehen). Die Samen sind reif, wenn sie sich leicht abreiben lassen und eine nussige Farbe haben.
Ernte: Rispen über einer Schüssel abstreifen oder abschneiden und nachtrocknen lassen. Anschließend auf einem feinen Sieb vom Stängelrest trennen.
Trocknung: Dünn ausgebreitet bei max. 40°C oder einfach an der Luft. Ecdysteroide sind hitzeempfindlich.
Oktober bis November (& März): Wurzel
Die Wurzel hat die höchste Konzentration aktiver Substanzen im Herbst und frühen Frühling, wenn die Pflanze ihre Energie ins Rhizom verlagert.
Ernte: Mit einer Grabgabel vorsichtig ausstechen. Die Wurzel ist rhizomartig verästelt und kann tief gehen. Waschen, in Stücke schneiden, bei niedrigen Temperaturen (unter 40°C) trocknen oder frisch verwenden.
6. Heilwirkung: Was wirklich funktioniert
Jetzt kommen wir zum Teil, bei dem es wichtig ist, ehrlich zu bleiben. Die Brennnessel ist kein Allheilmittel. Aber in bestimmten Bereichen ist die Evidenz bemerkenswert gut.
Entzündungshemmung
Die Brennnessel greift in gleich mehrere Entzündungswege ein. Sie hemmt COX-1 und COX-2. das sind dieselben Enzyme, die auch Ibuprofen und Diclofenac hemmen. Zusätzlich unterdrückt sie den Transkriptionsfaktor NF-κB, der als zentraler Entzündungsschalter im Körper gilt.
Eine klinische Studie zeigte, dass eine Kombination aus Brennnesselextrakt und einer reduzierten Dosis Diclofenac vergleichbar wirksam war wie die volle Diclofenac-Dosis. Ein Befund, der bei Rheumapatienten klinisch relevant ist.
Prostata (BPH)
Hier ist die Datenlage am stärksten und hier geht es ausschließlich um das Wurzelextrakt.
Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass Brennnesselwurzel die Symptome einer benigne Prostatahyperplasie (vergrößerte Prostata) signifikant verbessert: Weniger nächtlicher Harndrang, reduzierter Restharn und bessere Harnstrahlstärke. Der Mechanismus ist dabei mehrstufig.
In Deutschland ist Brennnesselwurzelextrakt als pflanzliches Arzneimittel für BPH zugelassen. Das zeigt wir wirkungsvoll sie ist.
Blutzucker
Mehrere in-vitro-Studien und einige kleinere Humanstudien zeigen, dass Brennnesselextrakt die Enzyme α-Glucosidase und α-Amylase hemmt. Diese Enzyme spalten Kohlenhydrate im Darm, und ihre Hemmung verlangsamt den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit. Exakt derselbe Mechanismus, nach dem das Diabetesmedikament Acarbose wirkt.
Die Humanstudien sind noch begrenzt, aber der Mechanismus ist plausibel und gut beschrieben. Für Menschen mit Prä-Diabetes oder als supportive Maßnahme beim Typ-2-Diabetes ist Brennnesseltee zum Essen trinken eine sinnvolle Ergänzung.
Harnwege
Das ist der am längsten bekannte und am besten belegte Einsatzbereich für Brennnesseltee aus Blättern: die Spültherapie bei Harnwegsinfektionen und zur Vorbeugung von Nierensteinen. Die Wirkung hierzu ist klar belegt.
Wichtig: Spültherapie bedeutet viel trinken. Der Tee allein reicht nicht, sondern mindestens 2 Liter Wasser täglich zusätzlich.
7. Brennnesseltee: Richtig zubereiten, richtig anwenden

Klingt banal, ist es aber nicht. Die meisten Menschen machen beim Brennnesseltee mindestens einen der folgenden Fehler.
Fehler 1: Kochendes Wasser
Vitamin C ist hitzeempfindlich, und auch einige Flavonoide verlieren bei 100°C an Aktivität. Wasser auf 80–85°C erwärmen oder kurz nach dem Kochen nehmen.
Fehler 2: Zu kurz ziehen lassen
Zwei Minuten reichen nicht. 8–10 Minuten Ziehzeit extrahieren die Mineralstoffe und Flavonoide richtig.
Fehler 3: Teetüte statt loser Ware
Industriell verarbeiteter Tee in Tüten enthält oft Material mit geringerer Wirkstoffkonzentration. Getrocknetes, loses Blattmaterial ist deutlich besser. Und da sie quasi überall wächst, wirklich einfach selbst zu sammeln.
Die Zubereitung:
- 2–3 gehäufte Teelöffel getrocknetes Brennnesselkraut (oder eine gute Handvoll frische Blätter)
- 250 ml heißes Wasser (nicht kochend)
- 8–10 Minuten abgedeckt ziehen lassen (abdecken verhindert das Verdampfen flüchtiger Aromastoffe)
- Abseihen und trinken
Dosierung: 2–3 Tassen täglich für eine Kur über 4–6 Wochen, dann Pause.
Für Harnwege: Zur Spültherapie täglich 3 Tassen und dazu mindestens 1,5 Liter Wasser extra.
Für Eisen: Tee nüchtern oder zum Essen trinken und kein Kaffee oder schwarzer Tee direkt danach, da Tannine die Eisenresorption hemmen.
8. Brennnesselsamenpulver: Das Ecdysteroid-Thema

Das ist der Teil, der in den meisten Brennnessel-Artikeln fehlt oder falsch dargestellt wird, dabei ist er wissenschaftlich besonders spannend.
Brennnesselsamen enthalten β-Ecdyson (auch Ecdysteron genannt) in bemerkenswert hoher Konzentration. Ecdysteroide sind Steroidhormone, aber für Insekten- und Pflanzen, keine menschlichen. In Insekten steuern sie die Häutung und Metamorphose.
Was passiert aber beim Konsum im menschlichen Körper? Hier wird es interessant: Ecdysteron bindet im menschlichen Körper an den Östrogen-Rezeptor β. Über diesen Weg wird die Proteinbiosynthese in Muskelzellen angeregt, ohne dabei wie anabole Steroide in den Androgenhaushalt einzugreifen.
Eine 2019 veröffentlichte Humanstudien (Isenmann et al., Archives of Toxicology) zeigte bei Sportlern, die Ecdysteron einnahmen, eine signifikant größere Zunahme an Muskelmasse und -kraft im Vergleich zur Placebogruppe. Die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) hat β-Ecdyson deswegen seit 2021 auf ihre Monitoring-Liste gesetzt, zwar noch nicht verboten, aber unter Beobachtung.
Was das für die Praxis bedeutet:
Du wirst durch Brennnesselsamenpulver nicht zum Bodybuilder. Aber als regenerationsunterstützendes Lebensmittel für aktive Menschen, Sportler oder als Beitrag gegen altersbedingte Muskelmasseverluste ist es wissenschaftlich begründbar.
Herstellung Samenpulver:
- Frisch geerntete Samen dünn ausgebreitet bei Zimmertemperatur oder max. 35–40°C trocknen
- Im Mixer oder Mörser mahlen
- In dunklem Glas aufbewahren
Dosierung: 5–10 g täglich in Smoothie, Joghurt, Müsli oder einfach ins Wasser gerührt. Schmeckt nussig-grasig, ist gut verträglich.
Alternative: Frische Samen direkt abstreifen und kauen. Das machen traditionelle Völker seit Jahrhunderten im Frühling und Herbst.
9. Brennnesseljauche: Flüssiges Gold für den Garten
Brennnesseljauche ist in der Welt der Permakultur und des ökologischen Gartenbaus kein Geheimtipp mehr, aber die meisten Menschen wissen nicht genau, wie sie wirklich funktioniert und warum.
Der Mechanismus
Beim Fermentieren der Brennnessel in Wasser findet ein mikrobieller Abbau statt. Stickstoff, der in den Proteinen und Chlorophyllen gebunden war, wird in pflanzenverfügbares Ammonium und Nitrat umgewandelt. Gleichzeitig entstehen organische Säuren und Enzyme, die den Boden und die Pflanzenmikrobiota anregen.
Das Ergebnis: Eine Flüssigkeit mit hohem Stickstoffgehalt (vergleichbar mit verdünntem Stallmist), dazu Kalium, Eisen, Kieselsäure und eine Reihe von Aminosäuren.
Herstellung
- 1 kg frische Brennnesseln (Stängel, Blätter, alles außer Samen, wenn du diese separat nutzen willst)
- 10 Liter Wasser, Regenwasser ist besser als Leitungswasser
- Einen Stein oder ähnliches zum Beschweren, damit die Pflanzen unter Wasser bleiben
- Gefäß abdecken (aber nicht luftdicht, Gärung braucht Sauerstoff)
- Täglich umrühren, das belüftet und verhindert faulige anaerobe Prozesse
- 2–3 Wochen fermentieren, je nach Temperatur kürzer oder länger
- Fertig ist die Jauche, wenn keine Blasen mehr aufsteigen und die Flüssigkeit dunkelbraun und klar ist
Der Geruch: Intensiv. Sehr intensiv, um es vornehm auszudrücken. Nicht wundern, es riecht wirklich etwas wie Kuhmist. Das Gefäß am besten nicht direkt neben der Terrasse aufstellen.
Anwendung
| Verdünnung | Verwendung |
|---|---|
| 1:10 | Starkzehrende Gemüsepflanzen und ausgewachsene Pflanzen |
| 1:20 | Jungpflanzen, empfindliche Pflanzen und weniger stark zehrende Pflanzen |
| Unverdünnt | Nie, verbrennt Wurzeln und Blätter |
Als Schädlingsschutz: Ein Brennnesselsud (Kaltauszug von Brennnesseln 24 Stunden in Wasser) 1:10 gesprüht wirkt gegen Blattläuse, Spinnmilben und Thripse. Der Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, aber die Wirkung ist in der Praxis gut bestätigt. Möglicherweise spielen dabei organische Schwefelverbindungen und veränderte Blattoberflächenchemie eine Rolle.
Wichtig: Bei Mehltaupilzen Blattspritzungen vermeiden – die Feuchtigkeit fördert das Pilzwachstum.
Tipp: Wer keinen Platz oder keine Lust auf die Fermentation hat, kann auch Brennnesselkaltauszug herstellen: Brennnesseln über Nacht in kaltem Wasser einweichen, morgens abseihen und sofort 1:5 verdünnt verwenden. Wirkt schwächer als die Jauche, aber ist schnell hergestellt.
10. Brennnessel für Haarwachstum: Was stimmt, was nicht
Dieses Thema ist online voller Versprechungen und Halbwahrheiten. Hier ist, was tatsächlich belegt ist.
Der DHT-Mechanismus
Androgenetischer Haarausfall (das klassische Muster mit zurückgehendem Haaransatz) wird primär durch Dihydrotestosteron (DHT) verursacht. DHT entsteht aus Testosteron durch das Enzym 5α-Reduktase und greift die Haarfollikel an, genau das ist der Angriffspunkt von Finasterid, dem meistverordneten Medikament gegen Haarausfall.
Beta-Sitosterol und andere Sterole aus der Brennnesselwurzel hemmen die 5α-Reduktase nachweislich, das ist in vitro gut belegt. Der Effekt ist schwächer als bei Finasterid, aber vorhanden und ohne dessen bekannte Nebenwirkungen (Libidoverlust, depressive Verstimmung).
Humanstudien, die Brennnessel allein gegen androgenetischen Haarausfall testen, gibt es noch nicht in ausreichender Qualität. Es gibt aber positive Studien zu Kombinationspräparaten mit Brennnessel und Sägepalme (Serenoa repens), die beide über ähnliche Mechanismen wirken.
Kieselsäure für die Haarstruktur
Das ist der zweite, oft übersehene Mechanismus. Kieselsäure ist ein Baustein des Keratins, des Strukturproteins, aus dem Haare bestehen. Eine ausreichende Versorgung mit Kieselsäure korreliert nachweislich mit höherer Haarelastizität und -festigkeit. Brennnesselblätter und -tee sind gute Kieselsäurequellen.
Anwendung für Haare: Anleitung
Innerlich (systemisch):
- Täglich Brennnesseltee trinken (Kieselsäure, Flavonoide)
- Brennnesselwurzelextrakt als Kapsel (DHT-Hemmung)
- Brennnesselsamenpulver (Ecdysteroide, Nährstoffe)
Äußerlich:
- Starken Brennnesseltee als Haarspülung nach dem Shampoo einmassieren und einwirken lassen (nicht ausspülen), verbessert nachweislich die Kopfhautdurchblutung und liefert Kieselsäure direkt ans Haar
- Brennnesselöl (Brennnesseln in Arganöl oder Jojobaöl einlegen, 4–6 Wochen kalt ziehen lassen): als Kopfhautmassage vor dem Waschen, 30–60 Minuten einwirken lassen
Ehrliche Einschätzung: Brennnessel stoppt fortgeschrittenen Haarausfall nicht. Als präventive Maßnahme, bei leichtem diffusen Haarausfall oder zur allgemeinen Haargesundheit ist sie jedoch eine der sinnvollsten pflanzlichen Optionen, ohne Risiken und mit plausiblem Mechanismus.
11. Brennnessel in der Küche: Über den Spinatersatz hinaus
„Brennnessel wie Spinat“, ja, das kennt jeder. Aber die Küche kann mehr.
Brennnesselsuppe: Klassiker, der zu Unrecht in der Öko-Ecke klebt. Junge Brennnesselblätter mit Zwiebel, Kartoffel und Brühe, püriert, mit einem Löffel Sauerrahm, ist schlicht lecker und gesund!
Brennnesselpesto: Junge Blätter (kurz blanchiert), Parmesan, Pinienkerne, Olivenöl, Knoblauch. Hält sich im Kühlschrank eine Woche. Funktioniert auf Pasta, Brot oder als Dip.




Brennnesselchips: Blätter in Olivenöl wenden, mit Salz und etwas Hefeflocken würzen, bei 150°C im Ofen 15–20 Minuten knusprig backen. Klingt seltsam, schmeckt überraschend gut.
Brennnesselbier und -limonade: In der Naturküche und Fermentationsszene beliebte Nischenanwendung. Frische Brennnesseln mit Ingwer, Zitrone und etwas Zucker fermentiert, ein leicht sprudelndes, mineralisches Getränk.
Wichtig beim Kochen: Das Blanchieren (kurz in kochendes Wasser) oder Erhitzen zerstört sofort die Brennhaare . Das Essen brennt also nicht. Frische Blätter können auch durch Reiben zwischen den Handflächen entschärft werden.
Ich hoffe Du lernst die Brennnessel nach diesem Artikel genauso zu lieben wie ich :)! Hast Du die Brennnessel schon verwendet? Lass mir gerne einen Kommentar da!






